100 Jahre Münchner Großmarkthalle
Ständig im Wandel und sich doch selbst immer treu

Die Großmarkthalle München wird 100 Jahre alt. Das ist ein Grund zum Feiern! Denn das 310.000 Quadratmeter große Gelände an der Schäftlarnstraße im Münchner Stadtbezirk Sendling ist seit ihrer Eröffnung 1912 weitaus mehr als ein wichtiger Teil der wirtschaftlichen Infrastruktur der bayerischen Landeshauptstadt. Die Hallen mit ihrem gigantischen Angebot an Blumen, Obst und Gemüse sind im wahrsten Sinne der „Bauch von München“. Und nur wenige Unternehmen prägen das Bild ihres Stadtviertels so stark wie die Münchner Großmarkthalle. Für viele Sendlingerinnen und Sendlinger ist „D'Halle“ Arbeitsplatz und identitätsstiftender Lebensmittelpunkt zugleich – und das meist schon seit Jahrzehnten. Diese Treue verwundert nicht: Schließlich ist die Großmarkthalle ein wahrhaft faszinierender Ort voll fantastischer Farben und Gerüche. Von der festkochenden Linda aus Oberbayern bis hin zur exotischen Rambutan aus Thailand gibt es hier buchstäblich nichts, was es nicht gibt.

Diese enorme Sortimentsvielfalt ist jedoch kein Zufall, sondern in den Unternehmensleitlinien der Markthallen München verankert. Dort heißt es: „In den Markthallen müssen neben den unbedingt erforderlichen Großbetrieben des Lebensmittelhandels auch künftig Familienbetriebe und andere kleine bis mittelständische Unternehmen Bestand haben können.“ Die Großmarkthalle München steht also für praktizierte Wirtschaftsförderung. Etwa 300 Händler haben hier ihren Firmensitz, mehr als 3000 Menschen gehen in der Halle ihrer t äglichen Arbeit nach.

Die Unternehmensleitlinien der Markthallen regeln auch das Nebeneinander von Händlern mit gleichen Sortimenten, ein gewollter Wettbewerb, der die Großmarkthalle zu einer der günstigsten ihrer Art in Deutschland macht - und zu einer der erfolgreichsten obendrein: Die Händler kleiner Geschäfte kaufen hier genau so ein, wie mit den großen Filialisten Handel betrieben wird. Die Halle ist nach Paris und Barcelona der drittgrößte Umschlagplatz in Europa.

Aus einem erfolgreichen Wirtschaftsleben der Landeshauptstadt ist der „Bauch Münchens“ in Sendling also nicht mehr wegzudenken. Als politisches Bekenntnis zur Großmarkthalle ist deshalb auch der Standortssicherungsbeschluss des Münchner Stadtrates in der Vollversammlung vom 7. Oktober 2009 zu verstehen. Das Gelände des Großmarktes wird nicht – wie in vielen anderen deutschen Städten bereits passiert - an die Peripherie verlagert, sondern bleibt, wo es ist. Dort ist der Großmarkt für die Münchner Kunden gut erreichbar und durch die unmittelbare Nähe zum südlichen Mittleren Ring, der Stadtautobahn Münchens, für den Verkehr optimal erschlossen.

Die bereits erwähnte – kommunal gesteuerte - heterogene Händlerstruktur der Großmarkthalle ist gleichzeitig ihr entscheidender Erfolgsfaktor. Die Großmarkthalle München stellt sich mit ihrer enormen Vielfalt an Produkten, Geschäftsmodellen und Händlern ganz klar gegen die inzwischen oligopolistischen Strukturen im Lebensmittelhandel. Hier bestimmen nicht wenige über Angebot und Preis, hier ist für den kleinen Apfelhändler genau so Platz wie für den mittelständischen Bananenreifer. Genau das ist auch der Grund, warum die Händler und Kunden der Großmarkthalle die Treue halten, auch wenn die Verkaufsbedingungen in der hundert Jahre alten Halle für sie längst nicht mehr optimal sind.

Um auch in Zukunft marktfähig und erfolgreich zu bleiben, muss sich die Großmarkthalle München modifizieren und an moderne Bedürfnisse anpassen. Deshalb hat die Landeshauptstadt München im Jahr 2010 eine Projektgruppe etabliert, unter deren Leitung die Sanierung der in die Jahre gekommenen Großmarkthalle vorangetrieben wird. Im Jahr 2016 soll das Projekt abgeschlossen sein. Das markante Dach der denkmalgeschützten „Halle 1“, Erkennungszeichen des Areals, wird natürlich auch nach der Modernisierung erhalten bleiben. Denn auch weiterhin soll die Münchner Großmarkthalle das bleiben, was sie schon seit 1912 ist: Ständig im Wandel und sich doch selbst immer treu.

Um das 100-jährige Bestehen der Halle gebührend zu würdigen, sind die Markthallen München eine Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum eingegangen, um in der Ausstellung „Täglich frisch – 100 Jahre Münchner Großmarkthalle“ die Geschichte der Halle Revue passieren zu lassen. Auf 800 Quadratmetern werden dabei nicht nur historische Aspekte des Großmarktes beleuchtet, das Stadtmuseum präsentiert auch den Alltag in der Halle, erläutert die logistischen Abläufe im Obst- und Gemüsegroßhandel und wirft einen – durchaus kritischen – Blick auf das Thema „Essen und Lifestyle“. Die Ausstellung läuft vom 15. Februar bis 26. August. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Umschau Verlag (Preis 58 Euro), der auch zahlreiche Händler der Großmarkthalle porträtiert.

Ursula Eymold und Nana Koschnick, Kuratorinnen der Ausstellung

Info-Service:
Der Großmarkt München in unserer Frischemärkte-Tour
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