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Bericht in bioPress
Bio auf Großmärkten: immer mehr Händler engagieren sich laut einer Umfrage der GFI

Mehr als 60 Händler mit Bio-Angeboten sind auf den 17 Großmärkten vertreten, die der Gemeinschaft zur Förderung der Interessen der deutschen Großmärkte (GFI) angehören. Das hat eine schriftliche Umfrage der GFI unter den Mitgliedern ergeben. Marketing­berater Frank Willhausen aus Hamburg war von der hohen Zahl selbst überrascht. Biologisch erzeugte Lebensmittel arbeiten sich in alle Vertriebskanäle vor.

Die GFI als der Verband der 17 bedeutendsten deutschen Großmärkte wurde im Jahre 2000 gegründet. Er übernimmt zentrale Aufgaben wie den Internet-Auftritt, den Gemeinschaftsstand auf der Fruit Logistica und Marketingaktionen. Rund 100 Verkaufsförderungsmaßnahmen wurden im ersten Halbjahr 2008 gefahren, zum Beispiel mit EOS (Exportorganisation Südtirol), Zespri international, dem neuseeländischen Kiwi-Lieferanten, und der SOPEXA, der französischen Außenhandelsgesellschaft.

Die deutschen Großmärkte haben sich in den vergangenen Jahren zu Frischezentren gemausert und bieten inzwischen auch Weck, Wurst, Wein und mehr. Sie versorgen mit rund 2.600 Großhändlern, Importeuren und Erzeugern mehr als 53.000 Kunden aus den Bereichen Gemüse-Fachgeschäfte, Wochenmärkte, Großverbraucher und Gastronomie mit Frische. Die Funktion der Rundum-Versorgung des klassischen Lebensmitteleinzelhandels mit O+G wie vor Jahrzehnten haben sie nicht mehr. Der Warenumschlag beträgt jährlich rund 7,4 Millionen Tonnen im Wert von rund 9,8 Milliarden Euro.

Wachstum mit Bio

Auch Bio-Produkte werden dort gehandelt. Die GFI hat eine schriftliche Umfrage gestartet, um einen Überblick zu bekommen. „Es gibt mehr Bio-Angebote als vor zehn Jahren und mehr als wir vermutet hatten“, registriert GFI-Marketingberater Frank Willhausen. Das Bio-Geschäft birgt auch auf dem Großmarkt Wachstumschancen. Der qualitätsorientierte selbstständige Einzelhandel (SEH) ergänzt hier vereinzelt sein Bio-Sortiment um Spezialitäten, die nicht zentral gelistet sind.

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Bio auf deutschen Großmärkten
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Auch für den Naturkostfachhandel bieten die Großmärkte Möglichkeiten der Differenzierung durch regionale Produkte direkt von Erzeugern, die einen Stand auf dem Großmarkt betreiben oder an einen Großhändler auf dem Großmarkt liefern.

Wer mit Regionalität punkten und sich im Sortiment von Mitbewerbern differenzieren will, hat über diesen Vertriebskanal die beste Chance. Durch persönlichen Einkauf kann der Handel seinen Kunden zudem besondere Frische bieten.

„Die Großmärkte sind unterschiedlich strukturiert. Auf manchen gibt es eine Vielzahl kleiner Händler, die Bio führen. In Bremen bietet ein großes Unternehmen, das ein komplettes Bio-Sortiment an,“ berichtet Uwe Kluge Vorstand der GFI und Geschäftsführer des Großmarktes Bremen. Naturkost Kontor Bremen heißt der Händler. „Vor 20 Jahren waren das Bio-Gemüsebauern, die auf dem Großmarkt selbst vermarktet haben. Von den anderen Großhändlern wurden sie belächelt, heute werden sie beneidet“, erzählt Kluge erweitert. Seit sechs Jahren gibt es auf dem Bremer Großmarkt die als C&C betrieben Spezialitätenhalle. „Das Naturkost Kontor ist hier der größte Mieter. Wir sind froh solch ein erfolgreiches Unternehmen zu haben“, macht Kluge eine deutliche Aussage.

Umdenken beim Verbraucher

Andreas Foidl, GFI-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Ber­liner Großmarkts, weist darauf hin, dass die Großmarktverwal­tung Immobilienmanager und Ideengeber seien. Er sieht dadurch Bewegung in der teilweise verhärteten Struktur: „Wir haben einen Tag der offenen Tür gemacht. Die Berliner sind neugierig und der Normalverbraucher fragt, wo die Produkte zu kaufen sind, die er hier sieht“. Das führe zu einem Wandel der Denkweise. In der Hauptstadt haben sich auf die GFI-Umfrage sieben Händler gemeldet, die Bio anbieten, darunter ein Geflügelhof.

„Das Bio-Geschäft ist früher komplett am Großmarkt vorbei gelaufen. Die Bio-Branche hat alternative Strukturen aufgebaut“, stellt Hans Joachim Conrad, Vorstands-Vorsitzender des Großmarktes Hamburg, fest. Bio hat nach seiner Auffassung ein Chance, wenn Großmarkt-Händler bei Marketing und Vertrieb kooperieren. Auf dem Großmarkt Hamburg haben sich drei Firmen gemeldet. „Das Angebot an Bio-Produkten auf dem Obst- und Gemüsesektor hat gerade in der jüngsten Vergangenheit zugenommen. Mit der Firma Naturkost Nord hat ein vorher nicht ansässiges Unternehmen mit einer umfangreichen Produktpalette seine Verkaufsflächen eröffnet. Die Nachfrage nach Bio-Produkten nimmt zu“, resümiert die Großmarkt-Verwaltung. In Hamburg wird eingehende Ware auf Rückstände kontrolliert und erst freigegeben, wenn die Grenzwerte eingehalten wurden. Qualität wird großgeschrieben.

Ein Thema für die Gastronomie

„Der Großmarkt ist ein sich veränderndes Gebilde, das sich an die Bedingungen angepasst“, erklärt Kluge. Insbesondere Bio-Händler und Schneidebetriebe haben nach seiner Auffassung eine Zukunft. „Für die Gastronomie ist Bio künftig ebenfalls ein Thema“, ergänzt Kluge. Hier sind die Großmarkt-Händler ein geeigneter Partner.

Die Großmärkte Düsseldorf und Duisburg verzeichneten bei der GFI-Umfrage keine Bio-Händler. Dafür haben in Essen gleich zehn Händler ein Bio-Sortiment. Im Frischezentrum Frankfurt sind ebenfalls sechs Bio-Händler vertreten. Neben dem Bio-O+G-Spezialisten Tollgrün ist mit Naturian auch ein Ökowein-Großhändler präsent.

In Saarbrücken haben zwei Händler mit Bio-Produkten geantwortet. Die Nachfrage wird noch als gering eingestuft. „Unserer Einschätzung nach kann ein Bio-Händler am Großmarkt nur mit einem Voll-Sortiment langfristig existieren“, meint man im Saarland.
In Karlsruhe haben sich zwei Firmen gemeldet. „Die Bio-Branche ist ein expanierender Markt und somit aus unserer Sicht ein sehr interessantes Thema“, blickt Karlsruhe optimistisch in die Zukunft. Auch in Stuttgart gibt es sieben reine Bio-Händler. „Hinzu kommen rund 25 Händler, die Bio-Produkte mit im Sortiment haben“, meldet die Verwaltung.

Auf dem Münchner Großmarkt scheint Bio mit zwölf registrierten Händlern gut vertreten zu sein. Die Verwaltung schätzt die Nachfrage aber noch gering ein. Das Bio-Sortiment spiele noch keine tragende Rolle, heißt es. „Eine steigende Tendenz ist jedoch zu verspüren“, wird aus München gemeldet.

Die unterschiedliche Einschätzung und die von Platz zu Platz verschiedene Angebotssituation zeigt, daß hier ein Pflänzchen zu wachsen beginnt.  Vielleicht findet die gefordert Vielfalt mit den „alten“ Strukturen neue Verbündete. Die Großmärkte könnten das Geschäft mit der Differenzierung zum Wettbewerber kräftig beleben. Dieses Thema wird auch auf dem 3. Bio-Handelsforum in Köln im September aufgegriffen und diskutiert. 

Quelle: bioPress, Autor: Anton Großkinsky



Info-Service:
Informationen zum 3. Bio-Handelsforum vom 16.-17.09.2008 in Köln
Website bioPress 
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